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Chen Inge, Djelani Mina: #unibrennt – „Reiche Eltern für alle“

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Abstract Momentum 10 Track 5 „Community Organizing und Graswurzelbewegungen”

#unibrennt – „Reiche Eltern für alle“
„Die Audimaxbesetzung als zivilgesellschaftlicher und emanzipatorischer Lernprozess”

1.Einleitung
„Wer sich die Freiheit nimmt, für sie einzustehen, hat einen Teil von Unmündigkeit abgelegt“
Doron Rabinovici in „Zum Studium des Widerstands“

Die Besetzung der Akademie der Bildenden Künste und des Audimax an der Universität Wien im Oktober 2009 war der Anfang einer nationalen wie internationalen Universitätsprotestwelle. Im Zentrum der Medien und der Öffentlichkeit stand von Anfang an die Besetzung des Auditorium Maximums an der Universität Wien. Die aufgestaute Unzufriedenheit und Frustration vieler Studierender über die katastrophalen Studienbedingungen an den Universitäten fand plötzlich ein Ventil. Tage vor der Besetzung des Audimax an der Universität Wien wurde die Aula der Akademie der Bildenden Künste von Studierenden und Lehrenden aus Protest gegen die Umstellung auf die dreistufige Bologna-Studienstruktur und die Abschaffung verschiedener Studien besetzt. Am 22. Oktober kam es zu einer Solidarisierungdemonstration unter dem namensstiftenden Motto „Uni brennt!“ im Sigmund Freud Park. Der Demonstrationszug zog mit einigen hundert Demonstranten durch die Universität Wien und besetzte den größten Hörsaal der Universität Wien, das Auditorium Maximum.

Noch am selben Abend kamen einige tausende Studierende ins Audimax. Das erste Plenum wurde abgehalten und die ersten Forderungen zusammengetragen. Aus diesem großen Chaos heraus entstand in den ersten Tagen die Infrastruktur, die bis heute noch gebraucht und genützt wird. Die Studierenden begannen sich zu organisieren. Schon in den ersten Tagen wurde aus dem Nichts eine Homepage herausgestampft (obwohl die Universität Wien das Internet im Audimax die ersten Tagen abdrehte), verschiedenste Arbeitsgruppen wurden gegründet und die sogenannte „Volxküche“ versorgte die Studierenden mit Hilfe von Lebensmittelspenden, unter dem Motto „Jede Besetzung beginnt mit einem Auflauf“. Es war Party und Protest in einem. Vor allem war es ein sich  gemeinsam Einfinden und Wissen, dass es jedem und jeder Einzelnen nicht anders im Studium ergeht.

Von Beginn der Besetzung an war der antisexistische, antifaschistische und basisdemokratische Konsens gegeben und präsent. Die Umsetzung dieses Konsenses erwies sich jedoch oft als schwierig.

Ob die Besetzung des Audimax eine im Voraus geplante Aktion war, ist bis heute unklar. In einem Videodokument meint die ÖH-Vorsitzende der Akademie der Bildenden Künste Martina Pfingstl , sie (die Organisatoren der Solidarisierungdemonstration) hatten gehofft, dass das Audimax an der Uni Wien besetzt wird. Fest steht jedoch, dass wohl keine/r je gedacht hätte, dass diese Besetzung ein, weit über nationalen Grenzen hinausgehendes, Ausmaß erreichen würde, noch das die Besetzung in Wien selber 3 Monate andauern würde. Nach der Besetzung der Universität Wien kam es zu weiteren Besetzungen in ganz Österreich, unter anderem in Graz, Linz, Klagenfurt und Innsbruck.

Grundsätzlich gilt der Konsens, dass eine Besetzung nicht geplant und beschlossen werden kann und somit auch nicht aufgelöst.

Der anfängliche Name der Bewegung #unibrennt wurde aufgrund von Diskussionen bald schon in #unsereuni umgewandelt, da #unibrennt nahe Assoziationen zu Gewalt aufkommen lies in der Öffentlichkeit.

Jedoch ist bis heute das Schlagwort #unibrennt, sowohl in der Bewegung als auch extern in den verschiedensten Medien geblieben. Aufbauend darauf entstanden schon am ersten Tag die Homepage, damals noch www.unibrennt.at und bald auch das Logo von unibrennt: ein in flammenstehendes Universitätsgebäude.

Dieses wurde zum Symbol der Bewegung. Buttons, Postkarten, T-Shirt mit diesem Logo wurden zum Erkennungsmerkmal und stehen noch heute unverkennbar für die Bewegung.

Was davon blieb?
Ein Jahr später versuchen die Autorinnen in ihrem Beitrag einen Grundriss der Besetzung zu skizzieren und einen Einblick in den Alltag der Besetzung aufzuzeigen. Die Autorinnen wollen an dieser Stelle auch darauf hinweisen, dass der Begriff „#unibrennt-Bewegung“ einer groben Vereinfachung der Realtität gleicht. #unibrennt ist so vielschichtig und heterogen, dass selbst wir, die Teil der Bewegung waren, sie nicht als ein ganzes ohne Vereinfachung skizzieren können.

Dem Leser soll hier eine Art Einführung in die Welt der #unibrennt-AktivistInnen geboten werden.

So beschäftigen sich die ersten zwei Kapitel mit der Organisation der Bewegung und der Mobilisierungsstrategien mit Hilfe des Web 2.0. Ein weiteres Kapitel beschäftigt sich mit dem Identitätsfindungskonflikt innerhalb der Bewegung. Das letzte Kapitel zeigt konkrete AG Arbeit und die Schwierigkeiten der Autorinnen mit ihrer Zeit als Besetzerinnen. Gleichzeitig soll eine persönliche Reflexion die große Frage „Was hat es gebracht?“ zumindest ansatzweise klären.

Die Autorinnen sprechen über die Bewegung, aus der Bewegung heraus, jedoch nicht für die Bewegung.

Inge Chen, Mina Djelani


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